Premio Europa per il Teatro Premio Europa per il Teatro Premio Europa per il Teatro Premio Europa per il Teatro
III Ausgabe - Zusammenkünfte

Europa – Preis für das Theater
Taormina, 25-27 Mai 1990


Palazzo dei Congressi
FREITAG 25. MAI
Sonderpreis für die Neue Theaterwirklichkeiten
an Anatoli Vassiliev

16.00 Uhr Einführungskonferenz
Franco Quadri (Kritik La Repubblica)
Peter Brecic: "1" (Direktor Spiltfestival)
18.45 Uhr Zusammentreffen – Debatte mit Vassiliev
Koordinator: Franco Quadri
ANATOLI VASSILIEVS TAG
Wenn Anatoli Vassiliev sich im sowjetischen Panorama dadurch auszeichnet, dass er in gewisser Hinsicht „unabhängig“ ist, da er einem Theater vorsteht, welches den gegenwärtigen experimentellen „Studien“ auf weitester Ebene den Weg gebahnt hat, sind doch seine Schauspieler, von denen er viele selber geformt hat, in einer ständigen Truppe Zusammengeschlossen; in der Absicht, ihre Bedeutung hervorzuheben, hat ihr der Regisseur des „menschlichen Materials“ die Bezeichnung  „Schule“ gegeben.
Das Kennzeichen des Regisseurs jedoch ist sein dramaturgisches Bemühen, in der schöpferischen Zusammenarbeit mit Viktor Slavkin, die einer post-tschechowschen Studie gilt und dann in der Begeisterung erregenden Entdeckung Pirandellos, und zwar durch die Improvisationsmethode des letzten Stanislawskis: Dank des Vorgangs, seine Stücke wie Kanevas zu behandeln, hat er, wie bekannt, seinem „Sei personaggi in cerca d'autore“ (aber auch dem work in progress „Questa sera si recita a soggetto“ in seinem heutigen Zustand) neue Lebenskraft eingegeben, fern von jeglichem Akademismus, aber auch fern von einer respektlosen und jedes Maß Überschreitenden Interpretation.
Die Sorge um die Lehrtätigkeit, die Schwierigkeit, wegen der Unsicherheit der russischen Saison, verschiedene und geeignete Stücke vorzubereiten, die zunehmenden internationalen Verpflichtungen des Regisseurs, dies alles hat dazu geführt, dass sich seine dramaturgische Arbeit der Literatur zugewandt hat, um die gefestigte Methode, anstatt auf Bühnenwerke, auf Romane von Dumas und Novellen von Maupassant, wenn nicht auf die philosophischen Abhandlungen von Platon und Erasmus anzuwenden; Konzentriert aber hat sie sich hauptsächlich auf Dostojewski, und zwar in einzigartigen Abendveranstaltungen, von denen, dank der Improvisation, keine der anderen gleicht, wodurch fern vom Theatermilieu der Lektüre Raum gegeben wird. So ist die Dramatisierung von vier Kapiteln der „Dämonen“ entstanden, die sich in vier verschiedenen Räumen eines Appartements abspielt. Und nach zweijähriger Vorbereitung ist es einer Schülergruppe gelungen, „Vis-à-vis“, Ausschnitte aus „Schuld und Sühne“, „Der Idiot“, „Der Spieler“, „Der Traum eines lächerlichen Mannes“ und ein Kapitel der „Brüder Karamazov“... zu vereinen. Die Vorführung der Arbeit geht von diesem Material aus: Gegenübergestellt werden, in der kontrastierenden Kunstform der Schwarzweißmalerei, Personenpaare, wie zum Beispiel der Prinz Myskin und Rogozin, Aljoscia und Dimitri: die Konfrontierung geschieht aus einen Blickwinkel, der das Aufspüren künftigen Perspektive erlaubt.


SAMSTAG 26. MAI
EUROPA – PREIS FÜR DAS THEATER – 3. Ausgabe an Giorgio Strehler
Lernzusammentreffen über Giorgio Strehlers Werk
von Renzo Tian mit Alessandro Martinez
LERNZUSAMMENTREFFEN ÜBER GIORGIO STREHLERS WERK
Werk, Text, Autor sind Wörter, deren Gebrauch in einzelnen Fällen gerechtfertigt und sogar unumgänglich ist, um das Ergebnis der Arbeit eines Theaterregisseurs zu bestimmen. Als Verfasser eines Textes oder Schöpfer eines Werkes kann der Regisseur in jedem Fall zum Autor werden: zum Autor eines organischen Gefüges, einer aus einem Entwurf hervorgegangenen Struktur, die einen Stil aufweist. Wenn man über die Arbeit Giorgio Strehlers spricht, bedeutet das im eigentlichsten Sinn, „tout court“ über sein Werk zu sprechen. Natürlich ist das Werk nicht gleichzusetzen mit der einfachen Summe der Stücke, die er im Zeitraum von annähernd fünf Jahrzehnten auf die Bühne gebracht hat. Die Struktur des Werkes ist nicht so sehr in der Großartigkeit seines Umfangs zu suchen, als vielmehr in den Beziehungen, die zwischen den nach und nach gewählten Texten bestehen, in den Zusammenhängen, die zwischen diesen Texten spontan oder auch intentional entstanden sind, in der Art und Weise der Aufführung, in der Wahl der Darsteller und in der für ihre Aufgabe angestrebten Kontinuität. Aber das ist nicht alles. Das Werk wurde mittels einer Reihe von weiteren Entscheidungen „geschrieben“, angefangen von der Wahl der programmatischen Richtlinie, die der Institution, innerhalb derer sich die Arbeit vollzieht, zu geben ist, bis zu der (entscheidenden) Wahl des Publikums, an das man sich zu wenden gedenkt und von dem man aktive Teilnahme erwartet. Und dann die Wahl des zu beschreitenden Weges, die zivilen und manchmal auch politischen Entscheidungen, die in den künstlerischen und kulturellen Entscheidungen enthalten sind. Im Falle Strehlers ist das Werk mit noch anderen Farbstoffen geschrieben: mit der Farbe des Schauspielers, des Darstellers, der Strehler zu Beginn seiner Laufbahn gewesen ist und der er jetzt wieder geworden ist und der zu sein, er vielleicht nie aufgehört hat. Und dann die Farbe des Theoretikers, des Schriftstellers und Essayisten, des Pädagogen, die alle zusammen den ursprünglichen Farbstoff des „metteur en scène“ deutlicher und unaustilgbar gemacht haben.
Die Aufgabe des Arbeits -und Studientreffens, das Giorgio Strehler gewidmet ist anlässlich der Verleihung des Europa-Preises 1990, sollte gerade darin bestehen, die Grundstruktur dieses Werkes, dieses Gebäudes zu untersuchen. Strehlers Werk ist eines der umfangreichsten und umfassendsten Werke, die sich in der Nachkriegszeit in die Annalen des Theaterlebens, der Theatergeschichte Europas eingetragen haben. Es ist das Zeugnis der Veränderungen und der tiefgehenden Impulse, die sich in diesem Zeitabschnitt im Theater ereignet haben, es ist zugleich das Zeugnis der Einfälle, durch die die Tradition wie eine unentbehrliche Wurzel neu belebt wird. Die Räume dieses Gebäudes zu beschreiben und den Sinn seiner Architektur aufzuzeigen, bedeutet nicht nur und nicht so sehr, „die Rolle des Regisseurs“ zu bestimmen, über die unzählige Male diskutiert worden ist, sondern es gilt vielmehr zu erkennen, dass im Innersten jener entweder verherrlichten oder aber angefochtenen Rolle in einigen seltenen, aber ausschlaggebenden Fällen die Rolle des Autors existiert.
Renzo Tian

9.00 Uhr Berichte
Bernard DORT: „Strehlers Idee von Regie“ (Professor Conservatoire National d‘Art Dramatique und Université Paris III); Agostino LOMBARDO: „Strehler und Shakespeare“ (Präsident Centro Teatro Ateneo und Università di Roma); Guy DUMUR: „Strehler in Frankreich“ (Kritik Nouvel Observateur); Guido DAVICO BONINO: „Der erste Strehler und die neue italienische Dramaturgie“ (Professor Università di Torino); Rolf MICHAELIS: „Strehler und die deutsche Kultur“ (Kritik Die Zeit); Maria Grazia GREGORI: „Strehler und Forschung“ (Kritik Unità); Paolo Emilio POESIO: „Strehlers Tschechowsweg“ (Direktor Teatro Regionale Toscano); Renzo TIAN: „Die Poetik der Illusion“ (Präsident Associazione Nazionale Critici di Teatro - Professor Università di Roma - Kritik Il Messaggero); Odoardo BERTANI: „Realismus und Poesie in Goldonis Inszenierungen“ (Kritik Avvenire)
12.30 Uhr Diskussion
15.30 Uhr Zusammengespräch zwischen Giorgio Strehler und Bernard Dort
17.30 Uhr Zeugnisse
koordiniert von Giorgio Strehler mit Renzo Tian
Carlo BATTISTONI, Henning BROCKHAUS, Enrico D‘AMATO, Walter PAGLIARO, Lamberto PUGGELLI (Regisseure)


SONNTAG 27. MAI
Lernzusammentreffen über Giorgio Strehler (II Teil)
9.00 Uhr Zeugnisse
Tino CARRARO, Giancarlo DETTORI, Turi FERRO, Michael HELTAU, Giulia LAZZARINI, Gianfranco MAURI, Glauco MAURI, Catherine SALVIAT, Ornella VANONI, Pamela VILLORESI (Schauspieler) Claudio DESDERI (Opernsänger) Fiorenzo CARPI (Komponist), Ezio FRIGERIO (Bühnenmeister), Nina VINCHI (Generalsekretärin Piccolo Teatro)
15.30Uhr  Giorgio Strehlers Konferenz
17.30 Uhr Zusammentreffen – Debatte mit Giorgio Strehler